Weshalb sind fast alle Konsumkredite anfechtbar, mit denen die Schuldenberatungsstellen zu tun haben?

von

Die Marktleader sind bereit, hohe Risiken einzugehen - die Kollateralschäden landen auf den Schuldenberatungsstellen!

Die Schuldenberatungsstellen können ein Lied davon singen: Zahlreiche Ratsuchende haben Konsumkredite im Rucksack, welche nicht hätten gewährt werden dürfen. Die Kreditgeberinnen müssten nach der Konzeption des Gesetzes massgeschneiderte Kreditfähigkeitsprüfungen[1] durchführen und bei jedem einzelnen Kreditnehmer und jeder einzelnen Kreditnehmerin prüfen, ob der Kredit Platz im Haushaltsbudget hat. Viele Kreditinstitute, vor allem die Marktleader Cembra Money Bank und Bank-now, tun dies nicht. Im Gegenteil, dass ein Teil der Kredite verloren geht, wird bei der Kreditvergabe bereits einberechnet. Und dies nicht zu knapp: 2008 bis 2010 haben 6,7 Prozent der Kreditnehmenden bei Krediten, die mit 13 Prozent zu verzinsen waren, nicht die gesamte Schuldensumme zurückbezahlt. Im 14-Prozent-Segment waren es gar 11,7 Prozent![2] Je höher der Zinssatz, desto grösser ist offensichtlich die Bereitschaft der Kreditgeberinnen, Risiken einzugehen. Dabei missachten sie zwangsläufig das zentrale Anliegen des Bundesgesetzes über den Konsumkredit: Es sollen keine Kredite gewährt werden, welche zur Überschuldung der Konsumentin oder des Konsumenten führen.

Inzwischen ist in der Verordnung zum KKG der Maximalzins für Barkredite auf 10 Prozent gesenkt worden; für Kredit- und Kundenkarten liegt er bei 12 Prozent. Das zwingt die Kreditgeberinnen, bei der Kreditvergabe ein wenig mehr Vorsicht walten zu lassen als früher, wo der Maximalzins bei 15 Prozent lag, –  und schafft einen Anreiz, auf Kreditmodelle auszuweichen, die mit einer Plastikkarte verbunden sind.

 

[1] Siehe das Stichwort «Kreditfähigkeitsprüfung» im Schulden-ABC

[2] Hirter /Braun/Langhart, Volkswirtschaftliche Auswirkungen einer Senkung des Höchstzinssatzes gem. Art. 1 VKKG, Institut für Wirtschaftsstudien Basel, Basel 2015, S. 12

Zurück