Inkassobüros in der Offensive
04.08.2011 09:00 von Mario Roncoroni
Keine Ruhe nach dem Konkurs
Wer Konkurs gemacht hat - vielleicht vor Jahrzehnten -, bekommt vermehrt Post vom Inkassobüro. Und nicht selten klingelt der Pösteler mit einem Zahlungsbefehl in der Hand. Die SchuldnerInnen, welche die Ratschläge der Schuldenberatung noch im Kopf haben, beantworten ihn mit "Rechtsvorschlag; kein neues Vermögen". Und schicken dem Inkassobüro ein Budget, aus dem hervorgeht, dass sie nicht auf Rosen gebettet sind. Früher war hier regelmässig Endstation. Die Inkassobüros scheuten die Kosten, die beim anschliessenden Prozess über das neue Vermögen anfallen konnten, und zogen die Betreibung regelmässig zurück. Wenn die Betreibung aufrecht erhalten wird, schickt das Betreibungsamt das Dossier ans Gericht.
Neuerdings scheuen die Inkassobüros die Gerichtkosten nicht mehr. Sie bleiben hartnäckig am Ball. Konsequenz für die SchuldnerInnen: Sie müssen dem Gericht innert kurzer Zeit Belege für ihr Einkommen und ihr Vermögen auf den Tisch legen, möglichst lückenlos, für das Jahr vor der Zustellung des Zahlungsbefehls. Konsequenz für die Schuldenberatung: Wenn der Privatkonkurs empfohlen wird, muss die Schuldnerin gut auf das Leben danach vorbereitet werden. Nur wer seine sieben Sachen beieinander hat, kommt vor Gericht allenfalls durch. Der Haushalt muss ordentlich Buch führen. Und selbst dann besteht ein erhebliches Restrisiko, denn die Gerichtspraxis zur Frage, wann neues Vermögen angerechnet wird und wann nicht, ist ausgesprochen uneinheitlich.
Mehr im überarbeiteten Stichwort "Neues Vermögen nach Konkurs"
